Vademecum der Bienenkrankheiten: Erkennung und Erste Hilfe
Eine korrekte Diagnose und eine schnelle Reaktion auf Krankheitserreger sind die Grundlage für das Überleben eines Bienenstands. Sie ermöglichen es, wirtschaftliche Verluste und das vollständige Aussterben von Bienenvölkern zu vermeiden.
Klassifizierung der Gefahren im Bienenstand
Bienenkrankheiten werden in zwei Hauptgruppen unterteilt: nicht ansteckende, die auf Fehler in der Fütterung und Pflege zurückzuführen sind, und ansteckende, die durch Mikroorganismen und Parasiten verursacht werden (infektiös und invasiv). Ein zusätzlicher Faktor, der die Produktivität einschränkt, sind Räuber und Schädlinge, die die Vorräte zerstören und die Bienen direkt angreifen.
I. Ansteckende Krankheiten der Brut und erwachsener Bienen
1. Amerikanische Faulbrut (Bösartige Faulbrut) und Europäische Faulbrut
Die gefährlichsten bakteriellen Brutkrankheiten.
- Erkennung: Die Amerikanische Faulbrut zeichnet sich durch eingesunkene, löchrige Zelldeckel aus, unter denen sich eine faulige Masse mit dem Geruch von Tischlerleim befindet, die sich auf 10–15 cm ausziehen lässt. Die Europäische Faulbrut befällt offene Brut; die Larven verfärben sich gelb, verlieren ihren Glanz und krümmen sich in den Zellen.
- Erste Hilfe: Absonderung des Volkes, Umsiedlung der Bienen in eine saubere Beute auf Mittelwände und Desinfektion des Geräts mit Feuer.
2. Nosemose (Microsporidiosis)
Eine Krankheit des Verdauungstrakts, die sich durch massives Schwächeln nach dem Reinigungsflug im Frühjahr äußert.
- Symptome: Durchfall (Flecken an der Vorderwand der Beute), aufgeblähte Hinterleiber, vor dem Flugloch kriechende Bienen.
- Behandlungsprozedur:
- Verabreichung des Medikaments: Präparat Fumagillin (oder verwandte). 1 Fläschchen (20 g) auf 25 Liter Zuckerlösung (1:1).
- Dosierung: 250–500 ml medizinische Zuckerlösung pro Volk täglich über 3 Wochen.
- Desinfektion: Entkeimung der Waben mit Essigsäuredämpfen (200 ml pro Zarge, Einwirkzeit 3 Tage bei 16–18°C).
3. Sackbrut (Sacbrood)
Eine Virusinfektion der Brut im Alter von 5–6 Tagen.
- Symptome: Die Brut stirbt unter dem Zelldeckel ab, die Larven verwandeln sich in “Säckchen”, gefüllt mit einer grauen Flüssigkeit. Nach dem Austrocknen bilden sie schorfartige, bootförmige Häutchen, die sich leicht entfernen lassen.
- Hilfe: Verstärkung der Völker mit verdeckelter Brut, Wärmeisolierung der Nester und Austausch der Königin.
II. Parasitäre Invasionen
1. Varroose (Varroa destructor)
Eine parasitäre Milbe, die sich von der Hämolymphe der Brut und der Bienen ernährt.
- Diagnose: Sichtbare braune Punkte auf Bienen und Drohnenbrut; Bienen mit geschädigten Flügeln.
- Bekämpfungsmethoden:
- Oxalsäure: 2%ige Lösung (20 g Säure auf 1 Liter Wasser). Bienen auf den Waben besprühen (1 Liter für 15–20 Völker).
- Ameisensäure: Anwendung im Frühjahr und Herbst bei Temperaturen von 14–25°C.
2. Akarapidose (Bienentracheenmilbe)
Milben, die die Tracheen der Bienen befallen.
- Symptome: “Abgespreizte” Flügel (Buchstabe K), Bienen, die vor dem Flugloch zu Boden fallen.
- Behandlung: Entkeimung mit Dämpfen von Etherosulfonat oder Tabletten wie Tedion (1 g in der Beute verbrennen, Behandlung 10-mal im Abstand von zwei Tagen wiederholen).
III. Schädlinge und Räuber
- Mäuse: Dringen im Herbst/Winter in die Beuten ein, zerstören Waben und stören die Wintertraube. Vorbeugung: Metallene Fluglochkeile mit 7 mm Spalt.
- Bienenfresser: Ein Vogel, der täglich 700–1000 Bienen frisst. Hilfe: Akustische oder visuelle Abschreckung (Falkenattrappen).
- Faltenwespen und Bienenwolf: Greifen Bienen auf Blüten an oder rauben Honig. Bekämpfung: Flaschenfallen mit gärender Flüssigkeit.
- Große Wachsmotte (Mottenschildwespe): Raupen, die das Bienenwachs zerstören. Schutz: Lagerung der Rähmchen in Essigsäure- oder Schwefeldämpfen.
IV. Nicht ansteckende Krankheiten und Vergiftungen
- Chemische Vergiftungen: Massenhaftes Sterben von Bienen nach Feldspritzungen.
- Reaktion: Fluglöcher schließen (für Belüftung und Wasser sorgen!), dünne Zuckerlösung (30%) verabreichen und Rahmen mit frischem Nektar entfernen.
- Hunger (Kohlenhydratdystrophie): Tote Bienen mit dem Kopf in den Zellen.
- Rettung: Bienen mit warmer Zuckerlösung besprühen, erwärmte Rahmen mit Honig ins Zentrum des Nestes geben.
- Erkältung der Brut: Tritt bei plötzlicher Abkühlung und zu schwachem Volk auf.
- Hilfe: Nest verengen und intensiv wärmen.
V. Allgemeine Desinfektion
Eine wirksame Krankheitsbekämpfung erfordert hygienische Strenge:
- Hölzernes Gerät: Abflammen mit einem Brenner bis zur braunen Farbe.
- Kleininventar: Kochen in einer 3%igen Sodalösung für mindestens 30 Minuten.
- Erdboden unter der Beute: Umgraben in 15 cm Tiefe und Bestreuen mit Chlorkalk (5 kg/m²).
Die Sauberhaltung der Beute und der regelmäßige Austausch von mindestens 30% des Wabenbaus pro Jahr verringert den Druck durch Krankheitserreger im Bienenstand drastisch.