Amerikanische und Europäische Faulbrut: Diagnose und Quarantäne
Die Amerikanische und Europäische Faulbrut sind die schwerwiegendsten bakteriellen Brutkrankheiten. Unbehandelt führen sie unweigerlich zum Untergang des Bienenvolkes und stellen eine reale Bedrohung für die gesamte Region dar.
Einführung: Warum ist die Faulbrut so gefährlich?
Faulbrutkrankheiten werden durch hochresistente Bakterien verursacht, die Bienenlarven befallen. Besonders heimtückisch ist die Amerikanische Faulbrut (Bacillus larvae), deren Sporen jahrzehntelang lebensfähig bleiben – Untersuchungen zeigen, dass sie sogar nach 20-22 Jahren in trockener Umgebung noch keimen können. Diese Bakterien verbreiten sich blitzschnell durch verirrte Bienen, Räuberei, kontaminiertes Gerät und die Verfütterung von Honig unbekannter Herkunft.
Felddiagnostik: Wie erkennt man den Feind?
Der Schlüssel zur Rettung des Bienenvolkes ist die frühzeitige Entdeckung der ersten infizierten Zellen. Durchsichten sollten mit besonderer Aufmerksamkeit auf den Zustand der verdeckelten und offenen Brut durchgeführt werden.
1. Amerikanische Faulbrut (Bösartige Faulbrut)
Befällt hauptsächlich verdeckelte Brut (in der Regel im Alter von 10-15 Tagen).
- Aussehen der Zelldeckel: Die Wachsdeckel werden dunkler, eingesunken (konkav) und sind oft löchrig (perforiert).
- Streichholztest: Nach dem Durchstechen des Zelldeckels mit einem Streichholz oder Stäbchen findet sich im Inneren eine klebrige, homogene Masse von milchkaffeefarbener oder dunkelbrauner Farbe.
- Fadenziehend: Die Masse zieht sich beim Herausnehmen des Streichholzes zu einem dünnen, spinnwebenartigen Faden von 10–15 cm Länge.
- Geruch: Charakteristisch, erinnert an den Geruch von altem Tischlerleim oder verfaulendem Eiweiß.
- Brutnest: Die Brut wird “gescheckt” – nebeneinander finden sich Larven verschiedenen Alters und leere Zellen.
- Schorfe: Getrocknete Larven bilden harte, schuppenartige Krusten, die sehr fest an den Zellwänden haften und von den Bienen nicht entfernt werden können.
2. Europäische Faulbrut (Gutartige Faulbrut)
Befällt vor allem offene Brut im Alter von 3–4 Tagen.
- Aussehen der Larven: Eine gesunde Larbe ist perlweiß und liegt in C-Form eingerollt. Eine kranke Larbe verliert ihren Glanz, wird matt, gelblich und schlaff und ändert ihre natürliche Lage in der Zelle.
- Konsistenz: Die faulende Masse kann fadenziehend sein, aber im Gegensatz zur Amerikanischen Faulbrut ist der Faden kurz (1–4 cm) und reißt leicht.
- Geruch: Sauer, erinnert an faulende Äpfel, oder in schwereren Fällen (bei Beteiligung von Bacillus alvei) – Geruch von verfaultem Fleisch oder schwitzigen Füßen.
- Entfernung: Die Schorfe getrockneter Larven sind für die Bienen oder mit einer Pinzette leicht zu entfernen.
Laboruntersuchungen
Bei Verdacht auf die Krankheit müssen Proben umgehend an ein veterinärmedizinisches Labor geschickt werden.
- Probe: Ein ausgeschnittenes Stück Wabe (ca. 10 x 15 cm) mit sichtbaren Krankheitssymptomen (kranker und abgestorbener Brut).
- Sicherung: Die Wabe sollte in Papier (keine Folie!) verpackt und innerhalb von 24 Stunden nach der Entnahme zugestellt werden.
Quarantäne und Bekämpfung: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Nach Bestätigung der Diagnose wird der Bienenstand durch den Amtstierarzt unter Quarantäne gestellt.
Quarantäneparameter:
- Umfang: In der Regel ein Radius von 5–7 km um den Krankheitsherd.
- Verbote: Vollständiges Verbot der Verbringung von Bienenvölkern, Königinnen, Gerät sowie Bienenprodukten aus dem Seuchengebiet.
Bekämpfungsmethoden:
Bei starkem Befall oder Feststellung der Krankheit an einem neuen Standort sind radikale Maßnahmen empfohlen.
Schritt 1: Vernichtung stark erkrankter Völker Sehr schwache und stark befallene Völker sollten abends vernichtet werden, wenn alle Bienen in der Beute sind.
- Die Bienen mit Schwefeldioxid (Verbrennen von Schwefel im Smoker) oder Formalin ersticken.
- Die Waben zusammen mit den toten Bienen verbrennen und die Asche tief vergraben.
Schritt 2: Umsiedlung mittels “Abtrieb” (für zu rettende Völker) Die Methode wird abends, am besten während der Trachtzeit, angewendet.
- Die alte Beute zur Seite stellen, an ihrer Stelle eine neue, desinfizierte Beute mit Rähmchen mit Mittelwänden aufstellen.
- Vor dem Flugloch ein großes Blatt Papier (z.B. Zeitung) ausbreiten.
- Alle Bienen von den alten Rähmchen auf das Papier fegen oder abschütteln – die Bienen gehen selbst in die neue Beute.
- Das Papier nach der Operation sofort verbrennen.
- Die Königin am besten für 24 Stunden in einem Käfig einschließen, um die sofortige Eiablage zu begrenzen.
- Die alte Beute und die Waben in einen geschlossenen Raum zur Desinfektion oder zum Einschmelzen bringen.
Desinfektion von Gerät
Der Erfolg im Kampf gegen die Faulbrut hängt von der Präzision der Desinfektion ab. Die Sporen von B. larvae sterben bei 100°C erst nach 30-60 Minuten, und in Wachs (120°C) nach einer Stunde.
- Beuten und Holz: Die wirksamste Methode ist das Abflammen mit der Lötlampe bis zur leichten Bräunung des Holzes. Auch eine 2-3%ige heiße Natronlauge kann verwendet werden.
- Kleingerät: Mindestens 10–15 Minuten in Wasser auskochen.
- Waben (Altwaben): Ausschneiden, einschmelzen und die Rähmchen in Natronlauge auskochen oder verbrennen.
- Erdboden unter der Beute: 10–15 cm tief umgraben und mit einer 4%igen Formalinlösung übergießen oder mit Chlorkalk bestreuen.
Pharmakologische Behandlung (Unterstützend)
Die Verabreichung von Antibiotika ist eine unterstützende Maßnahme und muss unter tierärztlicher Kontrolle erfolgen.
- Dosierung: In der Regel 400–500 Tausend Einheiten Antibiotikum (z.B. Teramycin, Tetracyclin) pro 1 Liter Zuckersirup.
- Verabreichung: 100–150 ml medizinischer Sirup pro besetzter Wabengasse, 3-mal im Abstand von 5 Tagen.
Die Anwendung der oben genannten Verfahren mit höchster Strenge ist der einzige Weg, die Faulbrut aus dem Bienenstand zu eliminieren und benachbarte Imkereien zu schützen. Ein Bienenstand kann erst ein Jahr nach Beendigung der Behandlung und nach Erhalt negativer Laborergebnisse als frei von der Krankheit anerkannt werden.