Ameisensäuretherapie im Kampf gegen Varroa destructor
Ameisensäure ist eines der wirksamsten Mittel im Arsenal des modernen Imkers und wird besonders für ihre einzigartige Fähigkeit geschätzt, durch die Verdeckelung der Brutzellen zu dringen, was die Eliminierung der direkt auf der Brut parasitierenden Milben ermöglicht. Als gesättigte organische Säure kommt sie natürlich in Blütenhonigen vor und gilt als unbedenklich für die Qualität der Bienenprodukte, sofern die entsprechenden technologischen Vorgaben eingehalten werden.
1. Technische Parameter und Umweltbedingungen
Der Erfolg der Behandlung hängt von der präzisen Abstimmung der Säurekonzentration und der Verdampfungsrate auf die äußeren Bedingungen ab.
- Konzentrationen: Für medizinische Zwecke wird technische Ameisensäure mit einer Konzentration von 86 % bis 99 % verwendet. Häufig anzutreffen ist auch die Konzentration von 60 %, die bei Dosierungsmethoden von oben empfohlen wird.
- Temperatur: Der optimale Außentemperaturbereich liegt bei 14–25 °C. Zulässige Untergrenze: 10–12 °C. Bei Temperaturen über 25 °C wird die Verdampfung zu schnell, was den Verlust der Königin oder das Absterben der Brut gefährdet. Unter 8 °C kristallisiert die Säure und verliert ihre Wirksamkeit.
- Dichte: Konzentrierte Ameisensäure hat eine Dichte von ca. 1,2126 g/cm³.
- Verdampfungsrate: Die sichere Norm liegt bei einer Verdampfung von ca. 10 ml Säure pro Tag.
2. Anwendungsmethoden
Ameisensäure kann nach verschiedenen Methoden verabreicht werden, die alle strikte Sicherheitsmaßnahmen erfordern (Verwendung von Handschuhen, Schutzbrille und Atemschutzmaske).
Methode der Polyethylenbeutel (Beliebteste Methode)
- Vorbereitung der Einlage: In einen Polyethylenbeutel der Größe 20x30 cm drei Pappbögen mit einer Stärke von 3 mm und den Maßen 15x25 cm einlegen.
- Dosierung: 30–50 ml konzentrierte Säure (86–99 %) in den Beutel füllen und den oberen Rand fest verschließen.
- Aktivierung: Nachdem die Säure vollständig vom Karton aufgesogen wurde, auf einer Seite des Beutels zwei Löcher mit einem Durchmesser von 1,5–2 cm anbringen.
- Anwendung: Den Beutel mit den Löchern nach unten auf die Rähmchen über der Mitte des Brutnestes legen, dabei Distanzleisten mit einer Höhe von 1–1,3 cm verwenden.
Methode der Flasche mit Docht
- In ein Fläschchen mit 100 ml Fassungsvermögen 30–50 ml Säure füllen.
- Einen Baumwolldocht einlegen und 2–3 cm herausragen lassen.
- Das Fläschchen an einem leeren Rähmchen aufhängen, das zwischen den äußersten Waben des Brutnestes platziert wird.
Methode der Spezialdampfer
- Den Korpus des Verdampfers mit hygroskopischem Material (Watte, Gaze) befüllen und bis zu 50 ml Säure einfüllen.
- Den Deckel um 1–2 Umdrehungen aufdrehen, um einen Verdampfungsspalt von ca. 1,5 mm Breite zu schaffen.
- Das Gerät auf den Rähmchen unter dem Deckel nahe der Hinterwand des Stocks platzieren.
3. Behandlungsplan und Vorbeugung
- Zeitpunkte: Die Behandlungen werden zweimal durchgeführt: im Frühjahr (Mai, nach dem ersten Ausflug) und im Spätsommer/Herbst (September, nach der Honigernte).
- Häufigkeit: Standardmäßig werden zwei Behandlungsserien im Abstand von 12 Tagen durchgeführt. Die Expositionsdauer der Säure im Stock sollte 3–5 Tage betragen. Bei Langzeitverdampfern kann die Behandlung 8–14 Tage dauern.
- Belüftung: Während der Behandlung ist das Schließen der Fluglöcher nicht zulässig; sie sollten in voller Breite geöffnet sein.
4. Übersicht der weiteren Anwendungen
Ameisensäure in niedrigeren Konzentrationen findet Verwendung bei der Desinfektion und Vorbeugung anderer Erkrankungen:
- Desinfektion von Waben und Stöcken: Es wird eine Mischung aus 10%igem Wasserstoffperoxid und 3%iger Ameisensäure verwendet (oder 0,5%ige Säure bei Septikämie).
- Zusatz zum Sirup: Zu gesundheitlichen Zwecken wird eine 10%ige Lösung der Säure in einer Dosis von 2 Esslöffeln auf 3 Flaschen Sirup verabreicht.
Eine korrekt durchgeführte Ameisensäurebehandlung zeigt eine Wirksamkeit von 75–97,7 %. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Vermeidung von Hitzewellen, der Sicherstellung einer freien Belüftung und der Rotation der Präparate alle 3–4 Jahre, um die Resistenzbildung in der Parasitenpopulation zu verhindern.