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Nosemose: Ursachen, Symptome und Vorbeugung von Durchfall

Nosemose: Ursachen, Symptome und Vorbeugung von Durchfall

Lernen Sie die Strategie zur Bekämpfung der Nosemose kennen, einer der gefährlichsten Erkrankungen des Verdauungstrakts von Bienen, die die Honigernte fast um die Hälfte reduzieren kann.

Nosemose, auch bekannt als “infektiöser Durchfall”, ist eine invasive Erkrankung erwachsener Bienen, Königinnen und Drohnen, die durch den einzelligen Parasiten Nosema apis verursacht wird, der das Epithel des Mitteldarms befällt. Diese Krankheit verursacht enorme wirtschaftliche Verluste – es wird geschätzt, dass bei einer Infektion von nur 10 % der Bienen in einem Volk die Honigernte um 43 % sinkt, was einem Verlust von 15 bis 25 kg Honig pro Volk und Saison entspricht.

1. Ätiologie und Überlebensfähigkeit des Erregers

Die Sporen von Nosema apis zeigen eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse, was ihre Eliminierung vom Bienenstand erschwert.

  • In Honig und auf Waben: überleben etwa 1 Jahr.
  • In toten Bienen: von 4 Monaten bis zu 6 Jahren.
  • In trockenem Kot: bis zu 2 Jahren.
  • Kritische Parameter: Sporen sterben bei einer Temperatur von 65°C nach 10–15 Minuten und in Wasserdampf (100°C) innerhalb von 1–5 Minuten ab. Sonnenstrahlen zerstören trockene Sporen in 15–32 Stunden.

2. Warum kommt es zur Infektion? (Begünstigende Faktoren)

Das bloße Vorhandensein von Sporen im Bienenstock bedeutet nicht immer eine Krankheit. Nosemose bricht aus, wenn die Lebensbedingungen des Bienenvolks sich verschlechtern. Zu den Hauptursachen gehören:

  • Winterfutter von geringer Qualität: Vorhandensein von Honigtau in den Vorräten (über 5 % Anteil an Honigtauhonig erhöht das Risiko drastisch) sowie Verunreinigung durch Pestizide.
  • Schlechte Belüftung und Feuchtigkeit: Hohe Luftfeuchtigkeit im Bienenstock im Winter stimuliert die Entwicklung des Parasiten.
  • Vorzeitige Brut: Das Auftreten von Brut im Winter erhöht die Temperatur im Bienentraub auf etwa 32°C, was eine ideale Bedingung für die Keimung der Sporen ist.
  • Herbstfehler: Zu späte oder übermäßige Zuckerfütterung im Herbst schwächt die Bienen, die in die Überwinterung gehen.

3. Erkennung von Symptomen und Diagnostik

Die Krankheit manifestiert sich am stärksten Ende des Winters und im Frühjahr.

  • Äußere Symptome: Mit Kot verschmutzte Vorderwände der Beuten, Seiten der Rähmchen und Waben. Bienen verlassen den Stock schwerfällig, haben vergrößerte (aufgeblähte) Hinterleiber, zitternde Flügel und können nicht abheben.
  • Anatomische Veränderungen: Bei der Sektion erkrankter Individuen ist der Mitteldarm weißlich, des charakteristischen Faltenwerfs beraubt und reißt sehr leicht.
  • Labordiagnostik: Zur Untersuchung sollten etwa 30–50 Bienen (lebende oder frische Winterverluste) von jedem verdächtigen Volk eingesandt werden.

4. Behandlungsmethoden und Arzneimittelverabreichung

Die moderne Imkerei stützt sich auf den Einsatz spezifischer Antibiotika und unterstützender Präparate.

A. Fumagillin (Fumidil B / DCH): Das wirksamste Mittel, verabreicht im Frühjahr oder Herbst (niemals während der Tracht).

  1. Dosierung im Sirup: 20 mg Wirkstoff pro 1 Liter Sirup oder 1 Fläschchen (20g) auf 25 Liter Sirup.
  2. Verabreichungsweise: Das Volk sollte insgesamt etwa 5 Liter Heil sirup in Dosen von 0,25–0,5 Litern täglich über einen Zeitraum von 3 Wochen erhalten.
  3. Dosierung im Teig (Kandi): 1 Fläschchen auf 2,5 kg Teig (oder 4–8 g pro 1 kg).

B. Alternative Präparate:

  • Sulfadimezin: 1 g pro 1 Liter Sirup, verabreicht 3–4 Mal im Abstand von 4–5 Tagen.
  • Wermut-Extrakt: Tinktur auf Alkoholbasis (junge Blätter mit Wodka für 3 Tage angesetzt) zum Sirup hinzugefügt.

5. Desinfektion von Waben mit Essigsäure

Die Desinfektion mit Essigsäure ist ein entscheidender Schritt bei der Beseitigung von Nosemose-Herden.

  1. Vorbereitung: Die Zargen werden mit zur Desinfektion bestimmten Waben gefüllt.
  2. Abdichtung: Alle Ritzen und Fluglöcher werden verschlossen (z.B. mit Lehm oder Klebeband).
  3. Applikation: Auf die Oberseite der Rähmchen wird ein mit 80%iger Essigsäure getränkter Lappen gelegt, in einer Dosierung von 200 ml pro 12-Waben-Zarge.
  4. Expositionszeit: Bei einer Temperatur von 16–18°C für 3 Tage (oder 5–7 Tage bei niedrigerer Temperatur) aufbewahren.
  5. Auslüften: Die Waben müssen bis zum vollständigen Verschwinden des Geruchs (ca. 20–48h) ausgelüftet werden, bevor sie den Bienen gegeben werden.

6. Prophylaxe – goldene Regeln

Um Nosemose zu vermeiden, muss den Völkern Folgendes gewährleistet werden:

  • Königinnenwechsel: Königinnen, die älter als 3 Jahre sind, sind anfälliger für Infektionen.
  • Gute Vorräte: Mindestens 18–30 kg Kohlenhydratfutter für den Winter.
  • Eiweiß: Sicherstellung von mindestens 3200 cm² Pollen in der Wabe vor dem Winter.
  • Hygiene: Systematischer Austausch alter, dunkler Waben, auf denen sich Sporen ansammeln.