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Selektion von Vater- und Muttervölkern: Verbesserung der Genetik des Bienenstands

Dieser Artikel ist ein Kompendium des Wissens über die Bienenselektion und erklärt, wie man Völker mit dem höchsten Produktionspotenzial und dem niedrigsten Aggressionsniveau präzise identifiziert und vermehrt.

Grundlage der Selektion: Warum die Auswahl wichtig ist

Selektionsarbeit ist die Grundlage der modernen Imkerei und ermöglicht es, durch geschickte Auswahl der Elternpaare hochproduktive, vitale und krankheitsresistente Völker zu erhalten. Individuelle Eigenschaften eines Bienenvolkes, wie die Intensität der Honigsammlung, Sanftmut oder Schwarmneigung, hängen direkt von der Qualität der Königin ab. In der Natur fördert die natürliche Selektion das Überleben, doch in der imkerlichen Wirtschaft übernimmt der Imker die Rolle des Züchters und schafft starke Völker mit gewünschten wirtschaftlichen Eigenschaften.

Auswahlkriterien: Honigertrag und Sanftmut in Zahlen

Das Hauptkriterium der Selektion ist die Honigproduktivität, zu der indirekt Gesundheit und das Fehlen übermäßiger Schwarmneigung beitragen.

  1. Honigertrag (Leistung): Als Rekordvölker gelten solche, die das 1,5- bis 2-fache des durchschnittlichen Honigertrags des Bienenstands sammeln. Liegt der durchschnittliche Ertrag bei 40 kg, sollten für die Zucht ausgewählte Völker 64–80 kg Honig liefern.
  2. Sanftmut: Diese Eigenschaft ist entscheidend für die Arbeitsleistung des Imkers. Sanfte Bienen erlauben die Durchsicht des Nestes ohne Rauch und Schleier und unterbrechen ihre Arbeit während der Inspektion nicht. Die Selektion in diese Richtung sollte kompromisslos sein – aggressive Völker müssen unabhängig von anderen Vorteilen ausgesondert werden.
  3. Zusätzliche Parameter: Die Selektion berücksichtigt auch Winterfestigkeit (Futterverbrauch von 0,6–1,4 kg pro 250 g schwerer Bienengasse) und die Entwicklungsgeschwindigkeit im Frühjahr.

Die Rolle der Mutter- und Vaterlinie

In der Bienenhaltung wird die Rolle der Drohnen oft unterschätzt, obwohl das Männchen die Erbanlagen für die Nachkommen wesentlich vollständiger überträgt als die Königin. Daher muss die Selektion zweigleisig geführt werden:

  • Muttervölker: Liefern die Larven für die Königinnenaufzucht. Sie müssen aus der Gruppe “Superelite” oder “Elite” stammen und Stabilität der Eigenschaften über mindestens zwei Saisons zeigen.
  • Vatervölker: Liefern die Drohnen für die Begattung. Sie sollten nicht mit den Muttervölkern verwandt sein, um Inzuchtdepression (verlangsamte Entwicklung und viele leere Zellen in der Brut) zu vermeiden.

Selektion

Schritt 1: Führung der Bienenstandsdokumentation

Eine objektive Bewertung ist ohne systematische Aufzeichnungen im Bienenstandbuch nicht möglich. Notiert werden sollten: Volksstärke nach der Überwinterung, Anzahl der Brutwaben, Menge des geernteten Honigs und Wachses sowie das Verhalten der Bienen bei Durchsichten.

Schritt 2: Auswahl der Zuchtvölker

Basierend auf den Aufzeichnungen der gesamten Saison teilt der Imker die Völker in drei Gruppen ein:

  • Gruppe I (10–15% des Bienenstands): Herausragende (Rekord-)Völker, die als Reproduktionsmaterial dienen.
  • Gruppe II: Durchschnittliche, produktive Völker.
  • Gruppe III: Schwache, krankheitsanfällige oder aggressive Völker – bestimmt für den Königinnenaustausch oder die Auflösung.

Schritt 3: Vorbereitung der Vatervölker

Im zeitigen Frühjahr sollten dem Nest der Vatervölker 2–3 Leerwaben mit Drohnenzellen zugesetzt werden. Um eine hohe Qualität der Drohnen zu gewährleisten, müssen diese Völker sehr stark sein (mindestens 2 kg Bienen) und reichlich mit Pollen versorgt sein.

Schritt 4: Kontrolle der Begattung

Um die gewünschten Eigenschaften zu festigen, sollte eine Kontrolle der Paarungen angestrebt werden:

  • Räumliche Isolation: Ausbringen der Königinnen zu einem Begattungsplatz mit einem Isolationsradius von 5–7 km (idealerweise 10–15 km in offenem Gelände).
  • Prägung des Gebiets mit eigenen Drohnen: Ist eine vollständige Isolation nicht möglich, sollte ein starkes Drohnenhinterland geschaffen werden, indem Waben mit Drohnenbrut von den Vatervölkern in die übrigen Völker des Bienenstands gegeben werden. Auf eine Gruppe von Königinnen sollten mindestens 10 starke Vatervölker kommen.

Schritt 5: Bewertung der Nachkommen (Genotypische Selektion)

Der endgültige Beweis für den Wert einer Rekordkönigin ist die Leistung ihrer Töchter. Für einen zuverlässigen Test sollte eine Gruppe von Töchtern (mindestens 10–15 Völker) mit einer Kontrollgruppe ähnlicher Volksstärke und Königinnenalter verglichen werden. Zeigen die Töchter einen höheren Honigertrag als die Kontrollgruppe, wird ihre Mutter als “Verbessererin” anerkannt und intensiv für die weitere Zucht genutzt.

Systematische Selektion ermöglicht es, den Honigertrag des Bienenstands innerhalb weniger Generationen um 20–40% zu steigern und macht die imkerliche Wirtschaft vorhersehbarer und profitabler.