Schwarmverhütungsstrategie: Methoden und Kontrolltechniken
Die Beherrschung des Schwarminstinkts ist der Schlüssel zur Aufrechterhaltung einer hohen Produktivität des Bienenstandes und erfordert das Verständnis der Physiologie der Bienenfamilie sowie den rechtzeitigen Einsatz biologischer und technischer Methoden.
1. Ätiologie der Schwarmmstimmung: Warum schwärmen Bienen?
Das Schwärmen ist ein natürlicher Vermehrungsprozess der Bienenfamilien, der evolutionär zum Überleben der Art programmiert wurde. Dieser Zustand tritt nicht plötzlich auf, sondern ist das Ergebnis der Anhäufung bestimmter Faktoren im Inneren der Beute:
- Überschuss an Gelée Royale: In starken Völkern überholt die Zahl der Arbeitsbienen (Ammen) schnell das Eilegetempo der Königin. Es entsteht ein Überschuss an Gelée Royale, den die Bienen niemanden zu füttern haben, was sie zum Bau von Weiselzellen stimuliert.
- Überfüllung und Platzmangel: Fehlende freie Zellen für die Eiablage sowie kein Platz zur Nektareinlagerung lähmt die Arbeit der Familie.
- Alter der Königin: Ältere Königinnen (2–3 Jahre) scheiden weniger Pheromone aus, was den Zusammenhalt der Familie schwächt und die Einleitung der Schwarmstimmung begünstigt.
- Thermische Bedingungen: Überhitzung der Beute (fehlende Belüftung, volle Sonneneinstrahlung) beschleunigt den Schwarmabgang drastisch.
2. Diagnose der Schwarmstimmung
Das frühzeitige Erkennen der Symptome ermöglicht eine wirksame Intervention, bevor die Familie in die Phase des „Schwarmfiebers” eintritt, in der traditionelle Methoden versagen.
- Auftreten von Drohnen: Dies ist das erste Signal der Vorbereitungen. Die Bienen bauen Drohnenwaben und ziehen Männchen auf.
- Bau von Weiselnapfen: Der Imker findet auf den Rändern der Waben leere Näpfchen.
- Eiablage in den Näpfchen: Der kritische Moment. Die Königin legt auf Druck der Arbeiterinnen Eier in die Näpfchen, und nach 3 Tagen werden diese von den Arbeiterinnen mit Gelée Royale gefüllt.
- Einschränkung der Arbeit: Die Bienen hören auf, neue Waben (Mittelwände) zu bauen, und die Kundschafterinnen bilden sogenannte „Bärte” am Flugloch oder hängen untätig in der Beute.
3. Vorbeugende Methoden (Prophylaxe)
Diese Maßnahmen sind zu ergreifen, bevor bebrütete Weiselzellen auftreten.
- Rechtzeitige Erweiterung des Brutnests: In einer mehrzargigen Beute wird eine ganze Zarge mit Mittelwänden und Leerwaben hinzugefügt. In einer Liegebeute wird das Nest Richtung Flugloch verschoben, und hinter der letzten Brutwabe werden 4–5 Mittelwände hinzugefügt (sog. „Entlastung” des Nestes).
- Wärmehaushalt: An heißen Tagen ist die Belüftung durch Öffnung aller Fluglöcher oder durch Anheben der Zarge um 10–20 mm mithilfe von Keilen zu erhöhen.
- Grundsatz des „kontinuierlichen Bauens”: Das regelmäßige Geben von Rähmchen mit Mittelwänden zwingt die Bienen zur Wachsabsonderung, was Energie und Gelée Royale verbraucht.
4. Technische Gegenmaßnahmen (Ablegerbildung)
Wenn die Familie sehr stark ist (Brut auf 8 oder mehr Rähmchen), ist die künstliche Entnahme eines Teils der Bienen und der Brut die wirksamste Methode.
Anleitung zur Bildung eines Schwarmschutzablegers:
- Der Familie werden 2–3 Rähmchen mit verdeckelter Brut samt den darauf sitzenden Bienen entnommen.
- Sicherung der Königin: Es muss unbedingt sichergestellt werden, dass die alte Königin im Mutterstock verblieben ist.
- Futterzugabe: Dem Ableger werden 1–2 Rähmchen mit Honig und Pollen hinzugefügt.
- Einlogieren: Das neue Völkchen wird in einem Ablegerkasten untergebracht, eingewärmt und nach einigen Stunden eine neue Königin (oder eine reife Weiselzelle) gegeben.
- Effekt: Der Mutterstock wird biologisch geschwächt, was die Schwarmstimmung in der Regel sofort unterbricht.
5. Fortgeschrittene Methoden zur Bekämpfung des „Schwarmfiebers”
Befinden sich bereits Weiselzellen mit Larven in der Beute, hilft deren bloßes Entfernen oft nicht. Es sind drastische Methoden anzuwenden:
- Demaree-Methode (Siemens-Demaree): Sie besteht darin, die Königin innerhalb derselben Beute von der Brut zu trennen. Die Königin mit einem Rähmchen offener Brut verbleibt auf Mittelwänden in der unteren Zarge, der Rest der Brut wird in die obere Zarge verbracht und durch ein Absperrgitter getrennt. Die Bienen fühlen sich wie nach dem Schwärmen und beginnen, ein neues Nest zu bauen.
- Taranov-Methode: Sie besteht darin, die Bienen auf ein Brett (1 × 1 m) zu schütteln, das 15–20 cm vor dem Flugloch aufgestellt wird. Schwarmbereite Bienen bilden unter dem Brett eine Traube (künstlicher Schwarm), die der Imker in eine neue Beute einsetzt.
- Standwechsel mit Königin: Die alte Beute wird zur Seite gestellt und an ihrer Stelle eine neue mit der Königin und einigen Leerwaben-Rähmchen aufgebaut. Alle Flugbienen kehren an den alten Platz zur neuen Königin zurück und verlieren die Schwarmneigung.
Merksätze:
- Kritische Schwelle: mehr als 8 Bruträhmchen in einer Standard-Beute mit 10–12 Rähmchen.
- Ablergröße: mindestens 3 Rähmchen (2 mit Brut, 1 mit Futter).
- Temperatur beim Transport zur Tracht: keinen Anstieg über 35 Grad Celsius zulassen (löst Schwarmpanilk aus).