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Die Methode der zwei Königinnen: Intensivierung der Honigproduktion

Die Methode der zwei Königinnen (Zweiköniginnensystem) ist eine der fortschrittlichsten und effizientesten Technologien in der modernen Imkerei. Ihr Ziel ist es, die biologische Leistungsgrenze einer einzelnen Königin zu durchbrechen. Im klassischen Modell kann eine Königin nicht genügend Eier legen, um ein Volk von einer Stärke aufzubauen, die es ermöglicht, plötzliche und reichhaltige Trachten voll auszunutzen. Der Einsatz einer Hilfskönigin ermöglicht die Ansammlung einer enormen Anzahl an Sammelbienen, was zu einer Steigerung der Honigproduktion um 35–45 % führt. Unter günstigen Bedingungen kann der Ertrag im Vergleich zu traditionellen Methoden sogar verdoppelt werden.

Biologische und wirtschaftliche Grundlagen der Methode

Den Zwei-Königinnen-Systemen liegt das Phänomen der Vielkönigigkeit (Polygynie) zugrunde, das ursprünglich bei den Vorfahren der Honigbiene vorkam und bis heute beobachtet werden kann, beispielsweise während eines stillen Umweiselns, wenn alte und junge Königin gemeinsam in einem Volk existieren.

Wichtige wirtschaftliche Vorteile:

  • Sprunghafter Anstieg der Arbeitskraft: Zwei parallel arbeitende Königinnen produzieren deutlich mehr Brut, wodurch das Volk seine “biologische Reife” viel schneller erreicht.
  • Schwarmverhindernde Wirkung: Die intensive Pflege einer großen Menge Brut lenkt die Bienen von der Schwarmstimmung ab und konzentriert ihre Energie auf die Arbeit.
  • Bessere Überwinterung: Zwei-Königinnen-Völker verbrauchen dank gegenseitiger Wärme durch die Trennwand weniger Futter und gehen aus dem Winter in deutlich besserer Verfassung hervor.
  • Natürlicher Königinnenaustausch: Das System erzwingt einen jährlichen Austausch der Königinnen gegen junge, was die Legeleistung und Gesundheit des Bienenstandes aufrechterhält.

Umsetzung der Methode

Die Wahl der Technik hängt vom Typ der verwendeten Beute ab. Nachfolgend sind Anleitungen für die beiden gängigsten Systeme aufgeführt.

1. Methode in Lagerbeuten (sog. “Taschen”-Methode)

In waagerechten Beuten (z.B. 24-Waben-Beuten) wird die Hilfskönigin in einem abgetrennten Teil der Beute gehalten, wobei ein zusätzliches Flugloch genutzt wird.

  • Wann: Die Arbeiten beginnen im Herbst oder im zeitigen Frühjahr.
  • Schritt 1: Trenne einen seitlichen Bereich der Beute (für 3–4 Waben) mit einer dichten Sperrholz-Trennwand ab.
  • Schritt 2: Setze dort ein kleines Ablegervölkchen mit einer begatteten Hilfskönigin ein.
  • Schritt 3 (Frühjahr): Mit dem Wachstum beider Völker überträgst du Waben mit verdeckelter Brut von der Hilfskönigin zum Hauptvolk und gibst ihnen dafür Waben mit offener Brut oder leere Mittelwände. Dies stimuliert beide Königinnen zur intensiven Eiablage.
  • Schritt 4 (Vor der Haupttracht): Entferne die alte Königin (oder versetze sie in einen Ableger), nimm die Trennwand heraus und vereinige beide Völker zu einem.

2. Methode in Magazinbeuten (Vertikale Methode)

Dies ist die für den Imker effizienteste Methode, die eine vollständige Mechanisierung der Arbeiten ermöglicht.

  • Wann: Wenn das Hauptvolk 10–12 Waben im Brutraum besetzt hat.
  • Schritt 1: Über dem Brutraum platzierst du einen zweiten Zarge mit Leerwaben und Mittelwänden, getrennt durch ein Absperrgitter.
  • Schritt 2 (Ablegerbildung): Über dem Hauptvolk platzierst du eine dichte, waagerechte Trennwand (z.B. Sperrholz, doppeltes Gitter) mit einem Flugloch, das in die entgegengesetzte Richtung zum Hauptflugloch zeigt.
  • Schritt 3: In der oberen Zarge setzt du einen Ableger mit einer jungen Königin oder einer schlupfreifen Weiselzelle ein.
  • Schritt 4 (Vereinigung): Kurz vor der Haupttracht (z.B. Buchweizen, Linde) entfernst du die alte Königin aus dem unteren Teil. Lege eine Zeitung mit kleinen Löchern auf die untere Zarge und stelle die Zarge mit der Hilfskönigin darauf. Die Bienengerüche gleichen sich an, und die Bienen fressen sich durch die Zeitung, wodurch sie ein einziges riesiges Volk bilden.

Vorgehensstrategie: Was, Wann und Warum?

ZeitpunktMaßnahmeZiel / Warum?
Zeitiges FrühjahrEinengen der Nester und intensive WärmeisolierungSicherstellung einer stabilen Temperatur für die Brutentwicklung bei geringerem Energieaufwand
ObstblüteBildung von Ablegern mit HilfsköniginnenNutzung der Energie junger Bienen für den Wabenbau und die Aufzucht einer neuen Generation Sammlerinnen
30-40 Tage vor der TrachtMaximale Stimulation der Eiablage beider KöniginnenAufzucht von Bienen, die zum Zeitpunkt der Blüte der Trachtpflanzen in Höchstform sind
TrachtbeginnVereinigung der VölkerKonzentration aller Kräfte der Bienen ausschließlich auf das Nektarsammeln statt auf die Brutpflege

Tipps und Hinweise zur Methode:

  1. Zeitungsprinzip: Die Vereinigung von Völkern über eine Zeitung ist der sicherste Weg, um Kämpfe zwischen den Bienen zu vermeiden.
  2. Abstand der Hilfskönigin: Im vertikalen System sollte der Abstand zwischen den Zargen etwa 30 mm betragen (Trennung durch einen Absperrrost), um Aggressionen zu vermeiden.
  3. Wasserzugang: Ein durch eine dichte Trennwand abgetrennter Ableger muss Zugang zu Wasser haben (Tränke innerhalb der Beute), da die Flugbienen zum alten Flugloch zurückkehren.
  4. Königinnenwechsel: Die Vereinigung der Völker vor der Tracht ermöglicht es, die jüngere, wertvollere Königin zu behalten, was das Problem des Schwärmens “alter” Völker beseitigt.
  5. Achtung bei frühen Trachten: Diese Methode ist ineffizient, wenn die Haupttracht (z.B. Raps) sehr früh auftritt – das Hilfsvolk kann sich dann nicht rechtzeitig ausreichend entwickeln.

Zusammenfassend ist die Methode der zwei Königinnen eine Technik für Imker, die eine Gewinnmaximierung durch Intensivierung der Zucht anstreben. Sie erfordert jedoch eine präzise Planung des imkerlichen Arbeitskalenders.