📄

Praktische Ratschläge eines alten Imkers: Details, die den Unterschied machen

Erfahren Sie die Geheimnisse eines alten Imkermeisters.

Einleitung: Psychologie und Ethik der Arbeit im Bienenstand

Imkerei ist nicht nur ein Handwerk, sondern ein tiefes Verständnis der Biologie des Superorganismus, der eine Bienenfamilie darstellt. Der erfahrene Imker weiß, dass Bienen ihren Besitzer nicht kennen, aber fehlerfrei auf sein Verhalten und seinen Geruch reagieren. Der Schlüssel zum Erfolg ist Gelassenheit und Präzision, da ruckartige Bewegungen und unnötiges Reizen der Insekten durch Vibrationen (z.B. Klopfen an die Wände der Beute) unnötige Energie der Familie verbraucht.


1. Körperhygiene und Vorbereitung auf die Durchsicht

Viele Anfänger unterschätzen den Einfluss des eigenen Körpergeruchs auf die Aggressivität der Bienen. Die Erfahrung lehrt:

  • Geruchsneutralisierung: Vor der Arbeit sollte der Konsum von Zwiebeln, Knoblauch und Alkohol vermieden werden. Bienen reagieren besonders empfindlich auf Schweißgeruch sowie intensive Parfüms und Rasierwasser.
  • Technische Vorbereitung: Vor dem Öffnen der Beute ist das gesamte Werkzeug bereitzulegen. Es ist unzulässig, die Arbeit (bei geöffneter Beute) zu unterbrechen, um Werkzeuge zu holen.
  • Pflege des Smokers: Das Rohr des Smokers ist regelmäßig von Ruß zu reinigen, um einen gleichmäßigen Rauchfluss zu gewährleisten.
  • Logistik der Rähmchen: Bei der Durchsicht sind Deckel und Zargen auf dem Gras neben der Beute abzulegen und nicht gegen Wände zu lehnen, da dies Vibrationen erzeugt, die die Familie reizen.

2. Konstruktionsdetails von Rähmchen und Mittelwänden

Die Qualität der Waben hat direkten Einfluss auf das Gewicht der Bienen. Bienen, die aus alten, dunklen Waben schlüpfen, sind leichter (ca. 106,9 mg) im Vergleich zu jenen aus neuen Waben (123 mg).

  • Drahtparameter: Es wird Draht mit einem Durchmesser von 0,35 mm oder 0,5 mm verwendet. Bei horizontaler Verdrahtung muss der erste Draht höchstens 1,5 cm von der Oberleiste des Rähmchens entfernt sein.
  • Qualität der Mittelwände: Brüchige Mittelwände sind zu vermeiden. Die ideale Zelle sollte ein Maß von 5,3–5,45 mm aufweisen.
  • Reifen des Wachses: Die besten Ergebnisse beim Wabenausbauen werden mit Mittelwänden aus Wachs erzielt, das mindestens 3 Monate im Lager gelagert wurde.

3. Technik des Vereinigens von Völkern und des Einweisens von Königinnen

Das Vereinigen von Völkern erfordert eine Angleichung der Gerüche. Meister verwenden die „Zeitungsmethode” oder eine Aromatisierung:

  • Zeitungsmethode: Ein Blatt Zeitung wird auf die Rähmchen der unteren Zarge gelegt. In das Papier sind 4 Löcher mit einem Durchmesser von 1,5–2 mm zu stechen. Die Bienen, die das Papier im Laufe der Nacht durchnagen, vermischen ihre Gerüche allmählich und sicher.
  • Vereinigung in Liegekörben: Beim Vereinigen zweier Völker in einer Liegebeute ist die Trennwand um 8–10 mm anzuheben, was eine langsame Diffusion der Gerüche ermöglicht.
  • Noteinweisen einer Königin: In Krisensituationen kann die Königin in einem Käfig eingeweist werden, nachdem zuvor 6 Drohnen zerdrückt und das Gitter des Käfigs damit eingerieben wurde, um den Geruch der neuen Königin zu überdecken.

4. Präzises Füttern und Stimulierung der Entwicklung

Die Frühjahresentwicklung hängt von der Verfügbarkeit von Eiweiß- und Kohlenhydratnahrung ab.

  • Rezept für Fondant (Candy): Es ist ein Verhältnis von 4 kg Puderzucker zu 1 kg flüssigem Honig einzuhalten. Der Honig wird im Wasserbad erwärmt und anschließend mit dem Puderzucker zu einer gleichmäßigen, klumpenfreien Masse verknetet.
  • Ersatzpollen: Wenn Pollenbrot-Vorräte fehlen, kann eine Paste zubereitet werden: 2 Teile Pollenbrot/Pollen auf 1 Teil warmes Wasser, die direkt in die Zellen der Wabe gerieben wird.

5. Überwinterung – Diagnose des „stillen” Bodensatzes

Die Analyse des Winterbodensatzes ermöglicht es, den Zustand der Familie zu diagnostizieren, ohne die Beute zu öffnen:

  1. Vorhandensein von Köpfen und zerbissenen Bruststücken der Bienen: Zeigt die Anwesenheit von Mäusen in der Beute an.
  2. Zuckerkristalle auf dem Boden: Bedeutet Kristallisation des Honigs in den Waben (Bienen können ihn nicht entnehmen).
  3. Feuchter, schimmeliger Bodensatz: Signal für unzureichende Belüftung und Gärung der Vorräte.
  4. Bienen mit aufgeblähten Hinterleibern: Symptom von Nosemose oder überfülltem Enddarm.
  5. Schwache Völker können in einem unbeheizten Raum überwintert werden (Temperatur 0–2 Grad Celsius). Man kann die Bienen mit einer Imkerlaterne mit rotem Licht kontrollieren, da Bienen auf dieses Lichtspektrum nicht aggressiv reagieren.

6. Optimierung der Belüftung und Wärmehaushalt

Wärme ist das teuerste Produkt des Bienenstocks. Bienen benötigen zur Brutpflege eine Temperatur nahe der menschlichen Körpertemperatur (34–35 Grad Celsius).

  • Grundsatz des „warmen Traubenballens”: Im Frühjahr sind die Nester so zu verkleinern, dass die Bienen aus der letzten Gasse „herausquellen”.
  • Sommerbelüftung: Bei starkem Trachteinflug in mehrzargigen Beuten wird die obere Zarge um 10–20 mm verschoben, wodurch ein Spalt entsteht, der das Verdunsten von Wasser aus dem Nektar erleichtert. Die Luftströmungsgeschwindigkeit im Stock kann dabei 70 Meter pro Minute erreichen.
  • Winterisolierung: Das beste Isoliermaterial sind Strohmatten oder mit Moos gefüllte Kissen, aufgrund ihres niedrigen Wärmeleitkoeffizienten (0,037–0,041).